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Die Anjous von Neapel und die Gold Forints

Königskriege

Otto von Wittelsbach: Rex Hungariae (1305-1307)

In der ungarischen Hauptstadt Buda feiern die Gegner der Anjoupartei die Krönung von Otto. Am 6. Dezember 1305 haben ihn zwei Bischöfe zum König von Ungarn gesalbt und ihm die legendäre Stephanskrone auf sein Haupt gesetzt. Die Rechtmäßigkeit eines Herrschers auswärtiger Herkunft wurde damit, beginnend mit dem Papst über die Bevölkerung Ungarns bis zum Deutschen Kaiser, de jure anerkannt. Doch, der Weg in die Burg erwies sich als ziemlich steinig und die zwei Jahre der Herrschaft verliefen alles andere als reibungslos.

Die „Auffrischung“ der ungarisch-bayerischen Beziehungen erfolgte durch die Vermählung der Tochter Béla IV., Elisabeth, mit Heinrich von Wittelsbach. Die Allianz sollte vor allem die durch den Mongolenangriff geschwächte ungarische Position stärken und nicht zuletzt die Expansionsgefahr neuer Großmächte – wie der des benachbarten Böhmen und Österreich - mildern.

Mit dem Tod von König Andreas (Endre) III. im Jahre 1301 ging die Ära der Gründerdynastie der Árpáden zu Ende.

Zu dieser Zeit hatte sich Ungarn von dem Mongolenangriff noch nicht erholt. In der chaotischen Situation versuchten die Großgrundbesitzer aus den ältesten Geschlechtern seit der Landnahme, Macht zu erlangen – vor allem die Familien Csák, Aba, Kán und die Köszegis (letztere waren wahrscheinlich deutscher Herkunft). Die Oligarchen, die auf ihren Besitztümern viele Bauern beschäftigten, wurden als „Markgrafen“ tituliert, fungierten aber praktisch als Kleinkönige. Ihnen ging es nicht um den Königsthron, sondern vielmehr darum, ihre Machtposition auf regionaler Ebene ohne Einschränkungen auszuüben. Mit dem Ende der Árpádenherrschaft waren sie nun gezwungen, in Frage der Thronfolge Farbe zu bekennen.

Außer diesen einflußreichen Familien gab es in der neuen Hauptstadt Buda eine gesellschaftliche Schicht, die viel zu sagen und bewirken hatte. Auch die reichen Mitglieder der Wiener Bürgerfamilien und der Regensburger Kaufleute zählten zum „Establishment“. Den Budaer Markt, wo sie besonderes Ansehen genossen, nannte man im damaligen Welthandel mit dem Regensburger Markt in einem Atemzug. Auf der ungarischen Exportliste standen Silber, Wolle, Pelze, Lederwaren, Bergwerksprodukte und teilweise Ochsen. Viele Waren stammten aus dem Inneren des Landes und gelangten auf dem Maros-Fluß über die Theiß zur Donau, wofür die Regensburger Händler – dank einer Sondergenehmigung- weniger Ausfuhrzoll errichten mußten. (Über Umweltschäden aus dieser Zeit berichten die Chronisten nichts.)

Die Frage der Erbfolge, die ohnehin seit dem Heiligen Stephan immer wieder Anlass zur Sorge gab, stand nach dem Tod von Andreas III. mit besonderer Brisanz im Raum. Ganz Europa und seine vielen Thronanwärter blickten in jener Zeit nach Pannonien; unter ihnen befanden sich auch im Ausland lebende Kandidaten, die mindestens eine Verwandtschaft dritten Grades mit den Árpáden vorzuweisen hatten. Im Hintergrund standen die Großmächte, die für ihre eigene Leute bürgten. Der „Investiturstreit“ des Deutschen Kaisers und des Papstes spaltete die Interessen und Vorstellungen bereits außerhalb der Landesgrenzen. Es gab drei potentielle Kandidaten: Wenzel aus Böhmen, Karl Robert aus Neapel (beide als Bevollmächtigte des Papstes Bonifaz) und Otto von Wittelsbach aus Niederbayern. Wahlkämpfe und -Kampagnen hatten damals noch keine klaren Konturen, und offizielle Parteizugehörigkeiten existierten noch nicht. Es gab lediglich Anhänger, die aus den Kreisen der sogenannten „Kleinkönige“ hervorgingen: Máté Csák sympathisierte mit Wenzel, da ihre Gebiete aneinander grenzten, die Familie Köszegi hätte am liebsten für ihren Landmann Otto votiert, aber die Mehrheit der ungarischen Magnaten vereinigte sich in der Anjou-Partei und unterstützte damit die Interessen des Papstes: namentlich den jungen Karl Robert von Anjou. Er wurde also gekrönt, aber zunächst nicht mit der Stephanskrone – und schon bald meldeten sich die Anhänger von Otto mit ihren Boten vor Ort, am Hofe Herzogs Otto III., dem Enkelkind von Béla IV.

Ottos ungarische Sympathisanten wussten wahrscheinlich wenig darüber, welches Prestige seine Person und sein Land Niederbayern Anfang des 14. Jahrhunderts genoss. Nach dem Zerfall von Bayern im Jahre 1180 galten die Wittelsbacher als eine berühmte und bodenständige Adelsfamilie. „Rumpfbayern ist kein Bayern“ war ihr Slogan - obwohl sie sich zunächst damit hätten begnügen sollen, eine ordentliche königliche Provinz zu sein. Im Römisch-Deutschen Kaiserreich verfügten sie über keine wesentliche Macht. Kaiser Albrecht (1298-1308), der mit den Habsburgern, dem Erzfeind der Wittelsbacher, verwandt war, zeigte sich sehr besorgt darüber, dass Otto unter Umständen mit Ungarn und womöglich mit Böhmen eine Personalunion eingehen könnte. Der wahre Traum - die „Wiedervereinigung“ mit Österreich und den anderen Pfalzen blieb - für die Wittelsbacher darum unerfüllt.

An der anderen Seite war selbst Otto sich über die innenpolitische Situation Ungarns wenig im Klaren; er wusste nicht worauf er sich eingelassen hatte. Am Anfang schien alles noch in Ordnung zu sein. Márk von Kált berichtet über jenen historischen Krönungstag wie folgt: „..so ging er im Jahre des Herrn 1305 in die Königsstadt Fehervar, um sich dort nach dem alten Brauch krönen zu lassen. Benedigt, der Bischof von Vesprim (Veszprém), und sein Bruder Antonius , der Bischof von Chanad (Csanád), salbten ihn zum König und krönten ihn mit der erwähnten Königskrone. Von hier aus ging er nach Buda, und an einem Feiertag zog er hoch zu Roß, in königlichen Gewändern, die heilige Krone auf dem Haupte, mit großem Gefolge auf allen Straßen und Plätzen herum, damit er sich allen als rechtmäßiger König zeigte.“

Eines muss er allerdings genau gewusst haben: dass er stets auf die Stephanskrone, die seinen Königstitel vor den Ungarn legitimierte, aufzupassen hatte. Der Chronist beschreibt die einfallsreiche Aufbewahrungsmethode, die Otto zwar zeitweise im Stich ließ, aber letztendlich zu einem Wunder führte:

„Er ließ diese aus Angst vor seinen Feinden durch einen Dreschler in einem Fäßchen verstecken. Als er nun mit den Seinen in stiller Nacht auf einer Landstraße tritt, wo viele entlangkamen, löste sich zufällig der Riemen, mit dem das Fäßchen wie ein Weingefäß an den Sattel gebunden war. Es fiel herunter, ohne daß es jemand bemerkte.“ Am nächsten Morgen wurde der König dem Verlust bewusst und legte den gleichen Weg zurück. Auf der offenen Landstraße fand er die unberührte Krone.“ Der Chronist fügt eine Art ideologische Prophezeiung zu: „Und was bedeutet es, daß sie nur von denen gefunden werden konnte, die sie trugen? Das heißt wohl, daß Pannonien seine vom Himmel geschenkte Krone nie verlieren kann.“

Trotz der ruhmreichen Märkte in Buda und Esztergom (Gran) schien der Kern der Finanzpolitik außer Kontrolle geraten zu sein. Die Frage des Geldes stellte ein ungelöstes Problem dar. Dem König Béla III. war es am Ende des 12. Jahrhunderts gelungen, das ungarische „Silbergeld“ als in ganz Europa angesehenes Zahlungsmittel auf den Markt zu bringen. Der Wiederaufbau nach dem Abzug der Mongolen kostete wesentlich mehr Geld als zur Verfügung stand. So mußte die Geldmenge, die sich im Umlauf befand, eingezogen und zusammengeschmolzen werden. Auf diese Art und Weise vermehrte sich die Anzahl der Münzen, was zu einer Wirtschaftskrise und nicht zuletzt zu einer horrenden Inflation führte. Ausländische Währungen begann die wertlosen kupfernen ungarische Münzen aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen. Zu den beliebtesten zählten die böhmischen Silbergroschen, die venezianischen goldenen Dukaten und die bysantinischen „Bysantinnen“. Aus der verzweifelten Finanzkrise hätte ein Weg herausgeführt: die Emission stabiler Goldmünzen. Doch der Großteil der Goldminen lag auf den Besitztümern von Máté Csák, der kleinere Teil in Siebenbürgen auf den Gebieten des László Káns.

Otto, der die Stärkung der Anjou-Anhänger mit Besorgnis beobachtete, war sehr bemüht, seine Position durch die Einbeziehung einflussreicher Kleinkönige zu stärken. Eine dynastische Ehe mit der Tochter des Feudalhherrens László Kán erschien ihm plausibel - zumal Otto in Siebenbürgen mit der Unterstützung der dort ansässigen Sachsen rechnen konnte. Der Regionalpotentat László fand es am Anfang sehr verlockend, Schwiegervater des Königs zu werden und nahm das Angebot zunächst ernst.

Der Tag der Vermählung wurde angesetzt, König Otto und seine Begleiter kamen in Hermannstadt an. Trotz der Vorwarnung einiger dort ansässiger Sachsen, agierte der blauäugige Otto laut seiner Absprache mit László, doch anstatt der angekündigten Hochzeit erwarte ihn eine Falle: Der Woiwode beraubte ihn der Stephanskrone und Otto kam knapp mit dem Leben davon.

Historiker erklären dieses Fehlverhalten mit „fehlenden persönlichen Kenntnissen“ sowie die „mangelnde Verbindung mit seinen heimatlichen Hilfsquellen“. Man kann auch eine großpolitische Überlegung dahinter vermuten: Kaiser Albrecht pflegte persönliche Beziehungen zum Kleinkönig von Siebenbürgen mit dem Ziel, Otto von Wittelsbach vom ungarischen Thron zu entfernen.

Im Februar 1308 kehrt Otto entmachtet nach Niederbayern zurück. Nach ungarischer Sitte ließ er sich einen langen Bart wachsen. Bis zu seinem Tod 1312 regierte er in seinem Herzogtum und führte zahlreiche Kleinkriege gegen die Habsburger. Karl Robert musste noch in Weißenburg (Fehérvár) zwei Jahre auf die heilige Krone warten, da sie bis 1310 im Besitz von László Kán blieb.

Der Papstfeind Alighieri Dante reflektiert in seiner „Göttlichen Komödie“ den Sieg der Gegner Ottos, der Anjou-Partei, wie folgt:

„Selig ist Ungarn, wenn es
sich nicht mehr irreführen läßt“.

So kam Ungarn, wenn auch nicht unter den Großmächten, im Reich der europäischen Poesie an.

 

Die letzte Ritterschlacht

Nach Otto von Wittelbach wurde Robert von Anjou König von Ungarn. Geschickt verfolgte er seine Machtinteressen und versuchte, sein Königreich auszuweiten. Auch die Finanzpolitik und das Geistesleben erlebten unter seiner Herrschaft eine neue Blütezeit.

Als der deutsche Kaiser, Heinrich VII. von Luxemburg, im Jahre 1313 starb, hatten sich das Volk und vor allem die Kreuzritter von der bitteren Niederlage und den großen Verlusten des Zugs gegen Rom von 1311 noch kaum erholt. Dazu kam eine Naturkatastrophe in Gestalt einer ungewöhnlichen Witterung, die große Teile Europas heimgesucht hatte. Der Regen von 1315 muß die Zeitgenossen dann an die Sintflut des alten Testaments gemahnt haben. Das monatelang andauernde Unwetter beeinträchtigte unter anderem den Thronstreit zwischen Habsburg und Bayern. Fünf Mal wollten die Kandidaten - Ludwig der Bayer und Friedrich der Schöne aus der Habsburg Dynastie - zu einer Beratung zusammenkommen, und fünf Mal wurden die großangelegten Verabredungen wortwörtlich vom Winde verweht. Als die Begegnung endlich im September 1315 in Augsburg zustande kam und Friedrichs Leute ihr Lager bezogen hatten, wurde erneut alles von einer lang andauernden Flut unter Wasser gesetzt; die Pferde erkrankten, da sie bis zum Sattelgurt im kaltem Wasser gestanden haben sollen.

Folgen dieser Witterung waren die Missernte, die unzumutbare Teuerung der Lebensmittel und nicht zuletzt eine Hungerkatastrophe, der Hunderttausende von Menschen zum Opfer fielen. Durch diese Schwierigkeiten war die politische Handlungsfähigkeit der beiden Parteien eingeengt - vor allem bei den Militäraktionen, deren Vorbereitung und Realisierung in diesen schwierigen Jahren oft das Zehnfache kosteten.

Zum entscheidenden Zusammentreffen, das als „die letzte Ritterschlacht“ in die Geschichte einging, kam es erst 1322. Auf der großpolitischen Ebene in Europa hatte man überall genug Anlass gehabt, die Streitigkeiten um den deutschen Kaisertitel für die eigenen Machtambitionen auszunutzen.

Die Franzosen herrschten vom Anfang des 14. Jahrhunderts nicht nur in Frankreich, sondern auch in Italien; der Papst residierte in Avignon und Neapel und wollte von dem deutschen Einfluss gar nicht wissen.

Karl Robert von Anjou, Ungarns König französischer Abstammung, beobachtete den deutschen Thronkampf zunächst gelassen. Als aber die Frage um die Nachfolger klare Konturen bekam, fühlte er sich gezwungen, Farbe zu bekennen. Seine Reaktion war mehr als eindeutig: Er war mit einer polnischen Prinzessin verheiratet, wodurch er in harte Feindschaft mit Böhmen geriet, das sich nach dem polnischen Thron sehnte. Um seine Situation in Mitteleuropa festigen zu können, war er mehr oder weniger gezwungen, mit den Habsburgern ein Bündnis einzugehen. Dieser Hintergrund, zumindest was die potentielle Hilfe von außen betraf, war für die deutschen Thronanwärter entscheidend. Im Mittelpunkt der Streitarena stand König Friedrich der Schöne von Habsburg, der das habsburgisch-ungarische Bündnis an seiner Seite wusste - ihm gegenüber der aus der Wittelsbacher Familie stammende König Ludwig IV., ehemals Herzog von Oberbayern, der mit böhmischer Hilfe rechnen durfte.

Die beiden Kandidaten samt ihren Heeren „trafen“ sich, auf Initiative des Böhmenkönigs Johann am Vorabend des Wenzeltages - also des Namenstages von Böhmens Landespatron - am 28. September 1322 nordöstlich von Mühldorf, unweit von Regensburg, am Fluß Isen. Über das Gleichgewicht der Parteien existieren unterschiedliche Angaben. Peter von Zittau, der böhmische Chronist, berichtet über 1800 Helme, d.h. schwergewappnete Reiter sowie etwa 4000 Mann Fußvolk an Ludwigs Seite. Friedrich hingegen hatte 1400 österreichische Ritter und 5000 leichbewaffnete Ungarn und heidnische Kumanen (Valwen) zur Seite. Zu wesentlichen Teilen fand die Schlacht zu Fuß statt und war innerhalb von einem Tag beendet. Ludwig verwendete dabei eine eigenartige Taktik, indem er seine Ritter absitzen ließ und ihnen befahl, sich unter das Fußvolk zu mischen, um sie gegen die Pferde der österreichischen Ritter ins Feld zu führen. War den habsburgischen Eisenmännern ihr Pferd unter dem Sattel abgestochen worden oder zusammengebrochen, hatten sie kaum eine Chance, im Getümmel auf die Beine zu kommen. Rätselhaft bleibt, was die Ungarn in diesen Stunden trieben, aber es besteht die Vermutung, dass sie nicht in besonders effektiver Weise agierten.

Zu bereits vorgerückter Stunde kam es nach einigen Quellen zu verräterischen Aktionen. Friedrichs Leute sollten bis zur Mittagszeit 500 der besten Kämpfer des Feindes, unter ihnen den Böhmenkönig, zur Kapitulation gezwungen haben. Dann aber habe ihnen ein Österreicher wieder auf die Beine geholfen. Die 500 anderen Gefangenen griffen erneut ein und die erschrockenen Ungarn seien geflohen oder hätten sich zurückgezogen. Dies wäre eine Erklärung für die nicht hundertprozentige Einsatzbereitschaft der ungarischen Division. Friedrich wurde gefangengenommen worden und büßte mehr als zwei Jahren als lebende Beute bis er mitsamt seinen Kriegern freigekauft wurde.

Der Sieger Ludwig zog nach Regensburg und ließ sich nach dem Prinzip des hl. Hieronymus „Den Kaiser macht das Heer“ zum Kaiser ernennen. De Papst reagierte dem gültigen Kirchenrecht entsprechend mit seiner Verbannung.

 

König Karl Robert umgab sich mit herausragenden Beratern, unter denen auch der gebildete Finanzexperte Dömötör Necskei war. Diese Familie zählte zu den bedeutendsten Grundbesitzern und Oligarchen des Landes. Dank dieser Privilegien, konnte der junge Necskei in Norditalien studieren, wo er das Verwaltungswesen und die Münzprägung zum Schwerpunkt seiner Wissenschaft wählte. Es gelang ihm ebenfalls, sein Wissen in den deutschen „Finanz-Zentren“ in die Praxis umzusetzen. Als frischgebackener Schatzmeister in der Hofkanzlei von Karl Robert (1315), wusste er, dass die Zeit gekommen war, die ungarischen Silberdukaten zu Goldmünzen aufzuwerten.

Goldminen gab es im Lande genug: bei Selmecbánya und Körmöcbánya usw. (Schemnitz und Kremnitz, heute Slowakei). Die Förderung des Edelmetalls begann durch deutsche Minenarbeiter. Als der notwendige Bestand vorhanden war, musste der Finanzexperte entscheiden, an welcher der bereits etablierten ausländischen Währungen der Wert des ungarischen Geldes gemessen werden sollte. Die Wahl fiel auf die nach der Stadt Florenz benannten Florentinen, die 24 Karat hatten und 3,54 Gramm wogen.

Die Goldene Forints

Die Golddukaten sollten ungarische Florentinen heißen - was im Volksmund zunächst zu Florint und später zu Forint verändert wurde. Mit diesem Schlag wurde die Steuerwirtschaft des Landes - unter Einschränkung der Naturalienabgabe - auf ein modernes Steuersystem umgestaltet. Dabei erwies sich für Ungarn das in Wien eingeführte Stapelrecht für die Waren des internationalen Handels mehr als ungünstig. So strebte Karl Robert eine neue Handelsroute zwischen Deutschland und Ungarn an, die Wien vermied. Für diese Maßnahme verabredeten sich die Könige von Ungarn, Böhmen und Polen untereinander sowie mit dem Teilherzog Heinrich von Niederbayern 1335 zu einem Gipfeltreffen im in Visegrád. Und es wurde entschieden, dass sein Sohn Ludwig, die Tochter vom polnischen König heiratet.Über die gleichen Interessen der Teilnehmer sollte man sich nicht wundern, da ihre Situation 13 Jahre nach Mühldorf bereits eine gänzlich andere war. Zum informellen Teil der Zusammenkunft – bei der jeden Tag ein anderer König die Rolle des Gastgebers übernahm - liefert der Geschichtsschreiber János Turóczy die Einzelheiten: „Zum Mittagessen des Königs von Böhmen wurden durch die Freigiebigkeit des Königs von Ungarn jeden Tag zweitausendfünfhundert Brote und eine große Zahl königlicher Speisen gereicht; den Pferden wurden täglich fünfundzwanzig Metzen Futter gegeben. Zum Mittagessen des Königs von Polen tausendfünfhundert Brote und Speisen in großer Zahl; an Wein wurden hundertachtzig Fass ausgeschenkt. Der König von Ungarn beschenkte den König von Böhmen auch mit verschiedenen Kleinodien, wie mit fünfzig silbernen Kannen, zwei Köchern, mit zwei Gürteln, mit einem wunderschönen Schachbrett, mit zwei Satteln von unschätzbarem Wert, mit einem Dolch mit Gürtel, der zweihundert Silbermark wert war, und mit einer Perlmuschel, mit wunderbaren Arbeiten verziert.“

Die anti-habsburgische Note, wonach der Handelsweg aus Bayern direkt über die freien Reichstädte Schwabens, Prag und Brünn nach Eszetergom und Buda floß, ärgerte Kaiser Ludwig maßlos – zum einen wegen der Umleitung des Straßenverkehrs und zum zweiten wegen der Vermeidung des Donau-Transports. Die Habsburger mussten einlenken und senkten die Transit-Zölle.

 



König Karl Robert neigte dazu, grenzüberschreitenden Pläne zu schmieden: Das süditalienische Königreich Neapel, wo ebenfalls die Familie Anjou regierte, wollte er mit Sizilien und Ungarn vereinigen. Aus dieser Überlegung heraus verheiratete er seinen jüngeren Sohn Andreas mit der Cousine des Königs von Neapel, Johanna. Dem ältesten Sohn Ludwig wurde der Visegrader Königsthron zugedacht. Die Rahmenbedingungen eines einheitlichen ungarisch-süditalienisch-polnischen Reiches sahen so aus: Ludwig sollte von seiner Mutter auch Polen erben und Andreas sollte zuerst vor Ort Neapel und danach Sizilien erhalten. Der Plan scheiterte überwiegend an Andreas, da er infolge eines Familiendramas von Johannas Liebhaber ermordet wurde.

Der zukünftige ungarische König Ludwig (1342-1382) wollte persönlich Rache nehmen und alleine den Plan seines Vaters verwirklichen. Zweimal führte er erfolgslos Feldzüge nach Neapel und leerte damit die Staatskasse des Landes völlig. In anderen Bereichen, vor allem im Bildungs- und Rechtswesen, erwies er sich als recht populär und wurde bereits zu Lebzeiten Ludwig der Große (ung. Nagy Lajos) genannt.

Mit seinem Nahmen ist die Einführung der ungarischen Sprache im geistigen Leben Ungarns und nicht zuletzt die Gründung der Universität von Pécs/Fünfkirchen verbunden. Chronist Túróczy beurteilt ihn wie folgt: „ ...er war auch wegen seiner Bewandertheit in den Wissenschaften berühmt, mit großem Eifer befaßte er sich mit der Sternenkunde; die Vollkommenheit seiner Tugenden machte ihn auch bei den Barbaren sehr bekannt, seinen Namen bei vielen Völkern angesehen. Er war fromm im katholischen Glauben, spendete gern den Armen, achtete die Rechte der Kirche und schätzte die Dienste der Kirche hoch. ...Er war ein Mann mittleren Wuchses, mit stolzem Blick, lockigem Haar und Bart, hatte ein freundliches Gesicht , dicke Lippen und ein wenig gebogene Schultern.“

Mit seinem Tod im Jahre 1382 endete die ruhmvolle Anjou-Zeit in Ungarn, die als mehr oder weniger friedlich galt. Die osmanischen Türken, die aus Kleinasien Richtung Europa vorstießen, betrachtete zunächst niemand als eine potentielle „weltbewegende Gefahr“.